Zusammenfassung der Infoveranstaltung am 24.1.26
- WKA-Guenterstal
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Aktualisiert: vor 1 Tag

Windkraft um Günterstal: Fachvorträge warnen vor Risiken für Wasser, Wald und Versorgungssicherheit
Günterstal. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative Windkraft Günterstal haben zwei renommierte Wissenschaftler eindringlich vor den ökologischen, hydrologischen und wirtschaftlichen Folgen eines weiteren Windkraftausbaus im Umfeld von Günterstal gewarnt. Die geplanten Anlagen rund um den Schauinsland seien aus fachlicher Sicht mit erheblichen Risiken verbunden – insbesondere für Wald, Wasserressourcen, Artenvielfalt und die Lebensqualität der Anwohner.
Grundwasser und Wald als zentrale Schutzgüter
Der Hydrogeologe Prof. Dr. Goldscheider (Karlsruher Institut für Technologie, KIT) stellte in seinem Vortrag die besondere Bedeutung des Waldes für die Trinkwasserversorgung heraus. Wälder fungierten als natürliche Filter, Speicher und Puffer für Niederschläge, regulierten den Abfluss und sorgten für stabile Quellschüttungen auch in Trockenzeiten. „Für Wasserressourcen gibt es nichts Besseres als Wald“, so Goldscheider.
Der geplante Bau von Windkraftanlagen gehe jedoch mit massiven Eingriffen einher: Rodungen, Bodenverdichtung, Zuwegungen und Fundamentbau veränderten dauerhaft die hydrologischen Prozesse. Besonders kritisch sei die Situation im Schwarzwald, wo laut Karten des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau (LGRB) die Schutzfunktion der Grundwasserüberdeckung vielerorts als „sehr gering“ eingestuft werde. Schadstoffe könnten hier vergleichsweise leicht ins Grundwasser gelangen.
Goldscheider verwies zudem auf Risiken durch Bau- und Betriebsstoffe, mögliche Havarien sowie Brandereignisse, bei denen Schadstoffe unkontrolliert freigesetzt würden. In Wasserschutzgebieten, insbesondere in der Nähe von Schutzzone II, seien Windenergieanlagen aus fachlicher Sicht nicht tragbar.
Industrieanlagen im Biosphärengebiet
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Lage der geplanten Anlagen in einem Mosaik aus Schutzgebieten, darunter Landschafts-, Natur- und Vogelschutzgebiete sowie das UNESCO-Biosphärengebiet Schwarzwald. Goldscheider bezeichnete es als „befremdlich“, dass ausgerechnet in einem Gebiet mit solch hohem naturschutzfachlichem Wert großtechnische Industrieanlagen errichtet werden sollen.
Besonders betroffen seien Greifvögel und Fledermäuse. Während häufig argumentiert werde, Windkraft sei harmloser als andere menschengemachte Gefahren, wies Goldscheider darauf hin, dass Windenergieanlagen vor allem seltene und geschützte Arten töten – mit potenziell gravierenden Auswirkungen auf ohnehin gefährdete Populationen.
Mythos CO₂-Vermeidung
Ein zentrales Argument für den Windkraftausbau – die CO₂-Einsparung – wurde von Goldscheider kritisch hinterfragt. Deutschland habe nicht primär Kohlekraftwerke durch Windenergie ersetzt, sondern Kernenergie. Da sowohl Kernenergie als auch Windenergie CO₂-arm seien, ergebe sich daraus kein nennenswerter Klimavorteil. Der Ausbau der Windkraft habe bislang vor allem den Wegfall von Atomstrom kompensiert, nicht aber fossile Energie verdrängt.
Zudem zeigten sogenannte Dunkelflauten, dass Windenergie in kritischen Phasen nahezu keinen Beitrag zur Stromversorgung leiste. In solchen Situationen müsse der Bedarf nahezu vollständig durch Kohle-, Gas- und Importstrom gedeckt werden.
Wirtschaftlichkeit und physikalische Grenzen
Der zweite Vortrag von Prof. Dr. Heindl (Hochschule Furtwangen, Energieversorgung und Erneuerbare Energien) beleuchtete die wirtschaftlichen und physikalischen Aspekte der Windenergie. Entscheidend sei die Windgeschwindigkeit, die mit der dritten Potenz in die Energieausbeute eingehe. Schon geringe Unterschiede führten zu drastischen Ertragsunterschieden.
Der Schwarzwald sei ein vergleichsweise windarmes Gebiet. Um hier die gleiche Strommenge wie an Küstenstandorten zu erzeugen, müssten deutlich mehr Anlagen errichtet werden – verbunden mit einem erheblich höheren Materialeinsatz an Stahl, Beton, Kupfer und Kunststoffen.
Heindl machte zudem deutlich, dass Windkraftanlagen nur deshalb wirtschaftlich betrieben werden könnten, weil sie durch staatliche Fördermechanismen abgesichert seien. Bei Stromüberschuss und niedrigen oder negativen Börsenpreisen würden die Kosten auf die Allgemeinheit verlagert. Gleichzeitig seien zusätzliche Investitionen in Speicher, Netzausbau und Reservekraftwerke notwendig, die in der öffentlichen Debatte häufig ausgeblendet würden.
Netzprobleme, Lärm und Akzeptanz
Ein weiterer Aspekt betraf die zunehmenden Netzprobleme. Mit wachsendem Ausbau steige die Zahl der Stunden, in denen Windstrom nicht mehr eingespeist oder sinnvoll genutzt werden könne. Das führe zu Abregelungen, ineffizienter Nutzung und steigenden Gesamtkosten.
Auch das Thema Lärm wurde ausführlich behandelt. Neue strömungsphysikalische Untersuchungen zeigten, dass Geräusche nicht nur in unmittelbarer Nähe der Anlagen auftreten, sondern sich in mehreren Kilometern Entfernung bündeln könnten. Besonders belastend sei das periodische „Wummern“, das von vielen Anwohnern als schlafstörend beschrieben werde und in herkömmlichen Gutachten oft unzureichend berücksichtigt sei.
Fazit: Entwertung statt Energiewende
Beide Referenten kamen zu dem Schluss, dass der geplante weitere Ausbau der Windkraft im Raum Günterstal keine nachhaltige Lösung darstelle. Stattdessen drohe eine schleichende Entwertung von Landschaft, Wald, Wasserressourcen und Lebensqualität – ohne einen entsprechenden Nutzen für Klimaschutz oder Versorgungssicherheit.
Die zentrale Frage sei nicht „Windkraft ja oder nein“, sondern wo, wie und zu welchem Preis. Gerade in sensiblen Wald- und Quellgebieten müsse der Schutz von Wasser, Natur und Menschen Vorrang haben.
Die Bürgerinitiative kündigte an, die fachlichen Argumente in den weiteren Dialog mit Stadt, Gemeinde und Öffentlichkeit einzubringen.
verfasst von
Adrian Kempf, Kirchzarten





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